Montag, 29. November 2010

Warten auf den Einatem

Allgemein betrachtet ist Warten für die meisten Menschen eine schwierige Angelegenheit, das Warten auf den Einatem hingegen eine ganz einfache Sache, es ist das Erste was ich bei meiner Lehrerin Ilse Middendorf gelernt habe, und es ist auch das Erste was die Atemschüler bei mir lernen. Vielleicht liegt es auch ein wenig an unserer Sprache, dass viele Menschen das Gefühl haben, falsch zu atmen. So heißt es etwa: "Atem holen" und "keine Luft bekommen"... Sprache ist in diesem Fall paradox, denn der Einatem kommt immer und sofort, er ist ein passives Geschehen und verlangt, dass wir ihm nachgeben und uns ihm hingeben. Impulsiv dehnt er unsere Körperwände, macht uns weit und wir erfahren ihn als körperlich-räumlich.
Warum sind wir, sobald wir über unseren Atem sprechen, sehr kritisch oder sogar abwertend. Es scheint ein starkes Bedürfnis nach "mehr Luft" zu geben, weil mehr Luft bedeutet: mehr Sauerstoff, mehr Leistung... Um diesen Wunsch zu erfüllen, müssen wir als Erstes lernen, dass der Atem "von selbst" kommt, wenn wir das spüren sind wir gleich beruhigt und erleichtert. Eine einfache Middendorf-Übung dazu wäre: "das Dehnen der Hand", wir dehnen sie von der Handmitte aus bis zu den Fingerkuppen und lassen sie wieder los, dies wiederholen wir mehrere Male, warten ab und hören dabei, wie unser Atem reagiert.

Wenn sie diese neue Erfahrung mit mir teilen möchten, würde ich mich über ihren Kommentar sehr freuen.
Mit herzlichen Grüßen
Ihre Rita Schroll

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